Die erste Iphigenie, 6. April 1779
Am Osterdienstag 1779 wurde Goethes Iphigenie erstmals in der Prosafassung gegeben — Corona Schröter in der Titelrolle, Goethe selbst als Orest.
Das Weimarer Hoftheater der 1770er Jahre war eine Liebhaberbühne, und dieser Abend zeigt, was das hieß: der Autor des Stücks auf der Bühne in einer Nebenrolle, neben der einzigen Berufskünstlerin im Haus, in einem Werk, das er auf sie hin geschrieben hatte.
Die Darstellerin, die zur Figur anregte
Corona Schröter war im März 1776 auf Goethes Betreiben nach Weimar gekommen, eine berufstätige Sängerin und Schauspielerin, deren Stimme nach zu früher, zu harter Schulung nachließ. Die Neue Deutsche Biographie sagt unumwunden, sie habe ihn zur Figur der Iphigenie inspiriert.[1] Die Reihenfolge ist also die ungewöhnliche: Die Rolle wurde von der Darstellerin geformt und nicht mit ihr besetzt — und am Osterdienstag 1779 gab sie sie zum ersten Mal, mit Goethe als Orest.
Das Urteil und was es wog
Das Urteil des 19. Jahrhunderts über ihren Auftritt war nicht maßvoll und musste es nicht sein: Sie stellte Iphigenie nicht dar, sie war Iphigenie.[1] Das ist der Satz eines Rezensenten und nicht der eines Historikers — und er hat alles Maßvolle überlebt, was über denselben Abend geschrieben wurde. Auch das sagt etwas darüber, wozu dieses Hoftheater da war.
Quellen
- Corona Schröter — Neue Deutsche Biographie, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1751–1802 • Sängerin • Schauspielerin • Komponistin
Sie gab die Titelrolle; laut Artikel wurde die Figur von ihr angeregt.
1749–1832 • Dichter • Staatsmann • Naturforscher
Er schrieb das Stück und trat darin als Orest auf.
Epoche
1775–1832
Die Liebhaberbühne des Hofes in Reinform: der Autor spielt, neben der einzigen Berufskünstlerin.