Krämerbrücke
Über diesen Ort
Kein weltliches Bauwerk Erfurts ist älter als die Krämerbrücke, und kaum eines ist bekannter: Zwischen Benediktsplatz und Wenigemarkt überspannt sie den Breitstrom, und wer sie zu Fuß überquert, merkt es kaum, weil zu beiden Seiten Fachwerkhäuser die Gasse säumen.[1] Erstmals 1117 erwähnt und 1325 in Stein neu errichtet, ist sie die einzige bebaute und bewohnte Brücke nördlich der Alpen, einst mit 62, heute mit 32 Häusern.[2] Töpfer, Holzschnitzer und Glasbläser zeigen und verkaufen hier bis heute ihre Arbeiten, daneben Spezialitätengeschäfte und Galerien.[3]
Eine hölzerne Marktbrücke an der Furt, 1110–1293
Am Anfang war eine Furt: Hier überquerte die Via Regia, die alte Handelsstraße von West nach Ost, die Gera, und eine hölzerne Brücke half ihr dabei. 1117 taucht sie in den Urkunden auf — wegen eines Brandes, wie so oft in ihrer Geschichte —, und 1156 heißt sie zum ersten Mal „pons rerum venalium“, Brücke der käuflichen Dinge, denn schon auf dem Holz standen rechts und links die Buden der Krämer. Die Ägidienkapelle am Ostufer wird bereits 1110 genannt. Sieben Brände in gut hundert Jahren, 1175, 1178, 1213, 1222, 1245, 1265 und 1293, brachten den Rat dazu, den Klöstern 1293 alle Rechte an der Brücke abzukaufen und in Stein zu bauen.[1] Im Mittelalter boten die Krämer hier Luxuswaren aus nah und fern an, darunter Seide, Gewürze, Färbemittel und Edelmetalle.[4]
Sechs Gewölbe aus Stein, 1293–1325
Sechs Tonnengewölbe aus Kalk- und Sandstein, zwischen 4,8 und 7,8 Meter weit, tragen seither die 79 Meter lange Brücke; 1325 war sie fertig, zunächst mit hölzernen Buden, in denen niemand wohnte. An beiden Enden wachte eine steinerne Kirche mit einer Tordurchfahrt über den Zugang, im Westen die Benediktikirche, im Osten die Ägidienkirche.[1]
Zweiundsechzig Häuser nach dem Brand von 1472, 1472–1510
Der Stadtbrand von 1472 nahm die halbe Stadt mit, die Häuser auf der Brücke eingeschlossen. Der Wiederaufbau gab ihr die Gestalt, die sie heute hat, nur dichter: 62 Fachwerkhäuser standen nun auf ihr, dreigeschossig und 13 bis 15 Meter hoch, und damit man darin wohnen konnte, wurden sie mit hölzernen Sprengwerken neben den Gewölben in die Tiefe erweitert. Als das 1486 vollendet war, maß die Brücke rund 26 Meter in der Breite, mit einer Gasse von 5,5 Metern zwischen den Häuserzeilen — und spätestens 1510 nannte man sie Krämerbrücke.[1]
Kräuter, Waid und Straßenmusik, 1325–1624
Rund hundert Jahre nach dem Bau der Steinbrücke wurden in den Buden vor allem Waren aus der Umgebung verkauft, und die Erfurter Klöster boten hier Kräuter, Wein und Gemüse an. Später kamen Papier, Goldschmiedearbeiten, Seide, Gewürze und Weihrauch aus fernen Ländern hinzu, und der Waid, für den Erfurt berühmt war, ging von hier an Händler, die den Farbstoff durch ganz Europa brachten. Im 16. und 17. Jahrhundert arbeiteten Spielzeugmacher, Kürschner, Posamentierer und Gerber auf der Brücke, und 1624 erlaubte der Rat Spielleuten, auf und an der Brücke zu musizieren – Straßenmusik gehört bis heute dazu.[5]
Weniger Häuser und eine verlorene Kirche, 18. Jahrhundert–1952
Durch Zusammenlegungen und Neubauten nach Bränden sank die Zahl der Häuser bis zum 18. Jahrhundert auf 38; heute sind es 32. Die Benediktikirche wurde 1807 verkauft und 1810 für ein Wohnhaus abgebrochen, ihr Turm musste 1895 der parallel gebauten Rathausbrücke weichen, und die Stadt erwog sogar den Abriss der ganzen Brücke. Nach Schäden durch amerikanischen Artilleriebeschuss im April 1945 wurden die Häuser 12 und 13 im Jahr 1952 abgerissen und neu errichtet; dabei mussten auch die Sprengwerke der Nachbarhäuser durch 11,5 Meter lange Stämme ersetzt werden.[1] Von den beiden Brückenkopfkirchen steht heute nur noch die Ägidienkirche im Osten.[4]
Pflege eines Denkmals, 1967–2025
Auch in der DDR wurde die Brücke besonders gepflegt: Von 1967 bis 1973 wurden alle Häuser restauriert, die Gewölbebrücke selbst 1985/1986 und 2002 instand gesetzt. Die Häuser gehören der Stadt Erfurt, nur die Nummern 15, 20, 24 und 33 nicht.[1] Die 1996 gegründete Stiftung Krämerbrücke kümmert sich um Brücke und Brückenhäuser,[4] mit dem Ziel, Bausubstanz und Charakter der Nutzung zu bewahren.[6] Im Haus der Stiftung, Krämerbrücke 31, erzählt eine Dauerausstellung mit einem Brückenmodell im Maßstab 1:100 von Geschichte und Gegenwart. 2025 wurde die steinerne Brücke 700 Jahre alt, gewürdigt unter anderem mit einer Sonderbriefmarke.[1]
Werkstätten, Läden und das Krämerbrückenfest, heute
Die Brücke war und ist ein Ort, an dem Händler ihre Handwerkskunst zeigen und anbieten, in Töpfer-, Holzschnitz- und Glasbläserwerkstätten; Spezialitätengeschäfte mit regionalen und exotischen Waren und Galerien laden zum Verweilen ein, und die Erfurter Tourist Information liegt direkt an der Brücke.[3] Das größte Erfurter Stadtfest, das Krämerbrückenfest, trägt ihren Namen und findet am dritten Wochenende im Juni rund um die Brücke und in der Altstadt statt.[1] 2026 dauerte es vom 19. bis 21. Juni, mit Livemusik auf Bühnen in der ganzen Innenstadt und der historischen Brücke in der Mitte.[7]
Was Besucher fragen
- Wann wurde die Krämerbrücke in Stein errichtet?
- Nach wiederholten Bränden der erstmals 1117 erwähnten Holzbrücke erwarb die Stadt 1293 die Brückenrechte und stellte die Steinbrücke 1325 fertig.[1]
- Wie viele Häuser stehen auf der Krämerbrücke?
- Heute zweiunddreißig. Nach dem Brand von 1472 entstand die Brücke mit 62 Fachwerkhäusern neu; durch Zusammenlegungen und Neubauten waren es im 18. Jahrhundert noch 38.[1]
- Was macht die Krämerbrücke einzigartig?
- Sie ist die einzige bebaute und bewohnte Brücke nördlich der Alpen und die längste durchgehend mit Häusern bebaute Brücke Europas.[2][1]
Quellen (7)
- Krämerbrücke — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
- Krämerbrücke — Stadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Krämerbrücke — Erfurt Tourismus und Marketing GmbH, abgerufen am 13. September 2026
- Krämerbrücke — Erfurt-Lese, abgerufen am 13. September 2026
- Krämerbrücke — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
- Krämerbrückenstiftung — Stadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Krämerbrückenfest — Stadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
Besuchsinformationen
Krämerbrücke, zwischen Benediktsplatz und Wenigemarkt, 99084 Erfurt
50.9787, 11.0308
Aus der Geschichte von Erfurt
Historische Orte
Waagegasse 8, 99084 Erfurt
Das mittelalterliche jüdische Quartier lag zwischen Rathaus, Krämerbrücke und Michaeliskirche, und hinter der Brücke wurde 2007 die Mikwe wiederentdeckt.
Fischmarkt, 99084 Erfurt
Im Osten geht der Fischmarkt in den Benediktsplatz über, an dem die Krämerbrücke beginnt.
Rund um Weimar
20 km Westlich
Erfurts ältestes profanes Bauwerk und die einzige bewohnte Brücke nördlich der Alpen, mit 32 Fachwerkhäusern zwischen Benediktsplatz und Wenigemarkt.