Die Nationalversammlung tritt in Weimar zusammen
Am 6. Februar 1919 trat die Versammlung, die Deutschland eine Verfassung geben sollte, zum ersten Mal zusammen — in einem elf Jahre alten Hoftheaterbau. Weimar wurde gewählt, weil Berlin zu gefährlich war.
Die verfassunggebende Versammlung tagte in einem Provinztheater, weil die Hauptstadt zu gefährlich war — und die Republik, die dabei herauskam, trug fortan den Namen dieser Stadt.
15.15 Uhr
Am Donnerstag, dem 6. Februar 1919, eröffnete Friedrich Ebert als Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten um 15.15 Uhr die konstituierende Sitzung.[1] Ein Amt in dem Staat, der hier gegründet wurde, hatte er nicht — der Rat war die provisorische Gewalt, die nach dem Sturz der Monarchie übernommen hatte —, und fünf Tage später wählte ihn eben diese Versammlung zum Reichspräsidenten.
Ein Raum für etwas anderes
Der Saal war ein Zuschauerraum, und das Theater selbst verzeichnet, dass er erst zum Plenarsaal umgebaut werden musste, ehe die Abgeordneten darin tagen konnten.[2] Heraus kam ein Parlament in einem Raum, der für ein Publikum vor einer Bühne gebaut war — was als Beschreibung einer verfassunggebenden Versammlung nicht die schlechteste ist.
Warum nicht Berlin
Der Bundestag formuliert es unumwunden: Berlin war „aufgrund der revolutionären Situation noch zu unruhig“.[1] Wer eine Verfassung schrieb, konnte das nicht unter Straßenkämpfen tun, und Weimar bot das Gegenteil der Barrikade — eine kleine Residenzstadt, deren Name für Goethe, Schiller und eine humanistische Ahnenreihe stand, zu der sich der neue Staat gern bekannte. Den Namen hat er behalten, mit allem, wofür er später einstehen musste.
Quellen
- Weimarer Nationalversammlung — Deutscher Bundestag, abgerufen am 29. August 2026
- Geschichte — Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1871–1925 • Politiker • Staatsmann
Ebert eröffnete als Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten am 6. Februar 1919 um 15.15 Uhr die konstituierende Sitzung.
Historische Orte
Historische Orte
Erinnert an die Versammlung, die 1919 im Haus gegenüber zusammentrat.
Weimarer Innenstadt, 50 Meter vom Goetheplatz
Das Kernstück der Ausstellung erzählt die Versammlung von der Stadt her.
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Die Versammlung tagte im Zuschauerraum des Theaters, der eigens zum Plenarsaal umgebaut wurde.
Bühnen und Spielstätten
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Das Haus selbst verzeichnet, dass sein Zuschauerraum für die Versammlung zum Plenarsaal umgebaut wurde.
Epoche
1918–1933
Die Republik hat ihren Namen von dieser Versammlung und der Stadt, die sie beherbergte.
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Am 9. November 1918 bildete sich in einer Weimarer Gastwirtschaft ein Arbeiter- und Soldatenrat, ein Zeitungsredakteur entwarf die Abdankungsurkunde, und am Abend war die Monarchie in Weimar zu Ende.
Die Versammlung trat zusammen, weil die Monarchie drei Monate zuvor gefallen war — in Weimar am Abend des 9. November 1918.
Walter Gropius übernahm im geschlagenen Land eine großherzogliche Kunsthochschule und nannte sie Staatliches Bauhaus.
Dieselbe Stadt, dasselbe Frühjahr: Während die Schule gegründet wurde, tagte in Weimar die Nationalversammlung.
Am 31. Juli 1919 stimmten die Abgeordneten im Nationaltheater der ersten demokratischen Verfassung Deutschlands in ihrer endgültigen Form zu. Unterschrieben wurde sie ganz woanders.
Die Abstimmung beendete die Arbeit, für die die Versammlung fünf Monate zuvor im selben Saal zusammengetreten war.
Am 3. und 4. Juli 1926 hielt die Partei ihren ersten Reichsparteitag nach der Neugründung ab — in Anwesenheit Hitlers und in dem Saal, in dem die Republik sieben Jahre zuvor ihre Verfassung beschlossen hatte.
Derselbe Saal, sieben Jahre später: die Versammlung, die die Republik gründete, und der Parteitag jener Partei, die sie beendete.