Dom St. Marien
Über diesen Ort
Der Dom St. Marien ist der wichtigste und älteste Kirchenbau Erfurts: 81,26 Meter hoch, mit der Gloriosa als größter freischwingender mittelalterlicher Glocke der Welt.[1] Über eine Freitreppe mit 70 Stufen gelangt man vom Domplatz auf den Berg, den er sich mit St. Severi teilt; mit hochgotischem Chor, romanischen Türmen und spätgotischer Halle folgt er dem 724 von Rom veranlassten Sakralbau und war Hauptkirche des 742 von Bonifatius gegründeten Bistums.[2] Das ganze Mittelalter hindurch Stiftskirche, ist er seit 1994 Kathedrale des neu errichteten Bistums Erfurt.[3]
Bonifatius und das erste Bistum, 724–754
724 forderte Papst Gregor II. die Thüringer auf, dem bei ihnen missionierenden Bonifatius ein „Haus“ zu bauen, und angeblich geschah das schon 725;[3] die Stadt Erfurt sieht in der Kirche, die Bonifatius um 725 auf dem Domberg errichten ließ, den Vorgängerbau des heutigen Doms.[1] 741/742 bat Bonifatius Papst Zacharias, ein Bistum „an dem Erphesfurt genannten Ort“ zu bestätigen; diese Ersterwähnung gilt als Gründungsdatum der Stadt. Schon wenige Jahre später, spätestens nach dem Märtyrertod von Bonifatius, Adalar und Eoban in Friesland 754, ging das Bistum im Bistum Mainz auf.[3] Die Kirche des ersten Thüringer Bischofs stand an der Stelle des heutigen Doms, und ihre Bedeutung blieb, auch als der Bischofssitz aufgegeben war.[4]
Eine spätromanische Basilika, 1117–1237
Urkundlich bezeugt ist St. Marien erstmals 1117.[3] 1154 begann der Bau einer spätromanischen Basilika mit dreischiffigem Langhaus, Querschiff und zwei Türmen an der Ostseite.[1] Er kam rasch voran: Zwei im selben Jahr aufgedeckte Bestattungen galten als die der heiligen Bischöfe Adolar und Eoban, und die folgenden Spenden trugen die Baukosten mit. 1170 war die Kirche benutzbar, denn in diesem Jahr schlug Kaiser Friedrich I. Barbarossa hier Ludwig III., den Sohn des Thüringer Landgrafen, zum Ritter. Eine Weihe ist für den 20. Juni 1182 überliefert; 1201 war der Süd-, 1237 der Nordturm vollendet.[3] Die Kapelle im ersten Stock des Nordturms wurde schon um 1160 genutzt, vermutlich wurden hier die Reliquien von Eoban und Adelar zuerst verehrt – damit wäre sie die älteste Kapelle Erfurts.[5]
Der Wolfram, die Madonna und der Sturz von 1184
Die beiden ältesten Ausstattungsstücke des Doms stammen aus der Zeit um 1160. Der „Wolfram“ ist ein bronzener Leuchterträger, vermutlich in der Magdeburger Gießhütte entstanden und eine der ältesten freistehenden Bronzeplastiken Deutschlands; eine Inschrift auf seinem Gürtel nennt den Stifter Wolfram und dessen Frau Hiltiburc. Dazu kommt die romanische Stuckmadonna. 1184 brachen während eines Hoftags König Heinrichs VI. Teile der Dompropstei ein; etwa sechzig Anwesende, viele von ihnen Adlige, stürzten durch zwei Stockwerke in die Latrinengrube darunter und kamen ums Leben.[3]
Der Hohe Chor auf den Kavaten, 1280er Jahre–1372
Über hundert Kleriker, an Feiertagen bis zu dreihundert, feierten den Gottesdienst mit – der Chor musste größer und heller werden. 1290 wurde eine erste Chorverlängerung geweiht, vor 1307 der Mittelturm vollendet. Bis 1329 entstanden gewaltige Unterbauten, die Kavaten, die den Domhügel künstlich nach Osten erweiterten; die Unterkirche darin wurde 1353 geweiht, und der 1349 weitergebaute Hohe Chor erhielt seine Weihe durch einen zwischen 1370 und 1372 amtierenden Weihbischof.[3] Er ist eine einschiffige hochgotische Halle, 15 Meter über dem Domplatz auf drei Kelleretagen errichtet.[1] Um 1330 kam der Triangel-Portalvorbau am nördlichen Querhaus als Haupteingang hinzu, mit den zwölf Aposteln und den klugen und törichten Jungfrauen zwischen Ecclesia und Synagoge – man betritt den Dom von Nordosten her.[3]
Glasfenster und Chorgestühl, 1329–1420
Die fünfzehn 18,6 Meter hohen Chorfenster tragen einen spätgotischen Glasgemäldezyklus aus der Zeit von etwa 1370 bis 1420, einen der größten seiner Art in Deutschland: Dreizehn Fenster sind fast vollständig mittelalterlich, 895 von rund 1100 Scheiben original. Sie erzählen von Schöpfung und Passion, von den Erzvätern Abraham, Jakob und Josef, von den Aposteln und den Heiligen Katharina, Eustachius, Bonifatius und Helena.[3] Zum Bestand gehören auch fünf Fenster von Charles Crodel aus den Jahren 1960 bis 1962.[6] Das Eichenholz des Chorgestühls wurde 1329 geschlagen; mit 89 Sitzen zählt es zu den umfangreichsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Gestühlen Deutschlands,[3] und einst saßen hier Schüler und Lehrer der Domschule beim Gottesdienst.[1]
Die Gloriosa, 1251–1497
Die große Glocke wurde 1251 erstmals geweiht und mehrmals neu gegossen.[1] Die heutige Gloriosa goss Gerhard van Wou aus dem niederländischen Kampen in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1497 oberhalb der Domstufen; sie wiegt 11.450 Kilogramm und hängt in der unteren Glockenstube des Mittelturms. Läutet sie, erklingt sie stets als erste Erfurter Glocke, alle anderen setzen erst nach ihr ein.[3] Die Läuteordnung des Doms für 2026 nennt neun Anlässe, darunter Ostersonntag, das Patronatsfest Mariä Himmelfahrt am 15. August und den Vorabend des Martinstags am 10. November.[7]
Spätgotisches Langhaus und barocker Hochaltar, 1455–1707
1455 wurde das romanische Langhaus abgerissen und eine spätgotische Hallenkirche begonnen, offenbar um mehr Platz für die Gemeinde zu schaffen; die Bürgerschaft trug einen erheblichen Teil der Kosten. Um 1465 war die Kirche wieder benutzbar.[3] 1507 wurde der Augustinermönch Martin Luther zum Priester geweiht, wahrscheinlich in der Kilianskapelle des Doms.[8] Hoher Chor und Langhaus dienen bis heute den Gottesdiensten des Bischofs, des Domkapitels, der Domgemeinde und des Bistums.[1] Zwischen 1697 und 1707 schuf der Holzbildhauer Johann Andreas Gröber den barocken Hochaltar, 16,5 Meter hoch und 13 Meter breit, ein Zeichen der Herrschaft des Mainzer Erzbischofs über Erfurt in der Gegenreformation; das untere Altarblatt, eine Anbetung der Könige nach Rubens, stammt von Jakob Samuel Beck.[3]
Festung, Pfarrkirche, Kathedrale, 1792–1994
In den Napoleonischen Kriegen wurde der Domberg zur Festung, französische Truppen nutzten den Dom als Pferdestall, und die Beschießung von 1813 zerstörte die dichte Bebauung rund um den Domplatz. 1803 und endgültig 1837 wurde das Domstift aufgelöst; 1828 begann unter preußischer Herrschaft die Restaurierung.[3] Am neuen neugotischen Giebel entstand bis Juli 1870 ein Mosaik der Madonna mit dem Kind, 6,13 mal 8,63 Meter groß, nach einem Entwurf von August Theodor Kaselowsky in der Werkstatt Antonio Salviatis in Venedig; 1968 mit dem Dach abgebaut, sind seine 133 Platten seit 2019 im Inneren des Langhausdachs zu sehen.[9] Im Zweiten Weltkrieg blieb der Dom von direkten Treffern verschont, und 1994 wurde die einstige Stiftskirche Kathedrale des wiedererrichteten Bistums Erfurt.[3]
Die Stufen und der Besuch, heute
An den breiten Domstufen zeigt sich, wie eng die beiden Kirchen auf dem Berg mit dem Leben der Stadt verbunden sind.[4] Außerhalb der Gottesdienste ist der Dom für Gebet und Besichtigung geöffnet, von April bis Oktober montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr, von November bis März bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr.[10] Führungen gibt das Dompersonal, darunter täglich um 14 Uhr eine für Einzelgäste mit höchstens fünfzehn Teilnehmern;[11] die Schatzkammer ist mittwochs und samstags um 15 Uhr nach Anmeldung zu sehen,[12] und von April bis Oktober steigen kleine Gruppen auf den Turm zur Gloriosa.[13]
Was Besucher fragen
- Wann wurde der Dom St. Marien erbaut?
- Die Basilika wurde 1154 begonnen, der 15 Meter über dem Domplatz errichtete Hohe Chor um 1370 bis 1372 vollendet; das spätgotische Langhaus folgte ab 1455.[1]
- Was ist die Gloriosa?
- Die große Domglocke, von Gerhard van Wou in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1497 oberhalb der Domstufen gegossen – mit 11.450 Kilogramm die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Sie läutet an wenigen Festtagen im Jahr.[3][7]
- Wie hoch ist der Erfurter Dom?
- 81,26 Meter.[1]
- Gibt es eine ältere Kirche an derselben Stelle?
- Ja. Bonifatius ließ um 725 eine Kirche auf dem Domberg errichten, und die Kirche des 742 gegründeten Bistums stand dort, wo heute der Dom steht.[1][4]
- Was sollte man im Inneren nicht verpassen?
- Die gotischen Fenster im Chor, das große Gestühl des 14. Jahrhunderts, die romanische Madonna auf ihrem Thron und den mächtigen Leuchterträger, den „Wolfram“.[2]
- Wann ist der Dom geöffnet, und kann man zur Gloriosa hinauf?
- Von April bis Oktober montags bis samstags 10 bis 18 Uhr, von November bis März bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 13 bis 17 Uhr. Führungen zur Gloriosa gibt es von April bis Oktober, außer am ersten Wochenende im Monat, für bis zu fünfzehn Personen nach telefonischer Anmeldung.[10][13]
Quellen (13)
- Dom — Stadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Dom St. Marien — Erfurt Tourismus und Marketing GmbH, abgerufen am 13. September 2026
- Erfurter Dom — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
- Zur Geschichte des Erfurter Domes — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Der Glasmalereibestand des Erfurter Domes — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Läuteordnung der Gloriosa 2026 — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Martin Luther — Landeshauptstadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Marienmosaik — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Öffnungszeiten der Hohen Domkirche St. Marien — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Führungen — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Führung in der Domschatzkammer — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Turm- und Glockenführungen — Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
Besuchsinformationen
Führungen: Dom 8 Euro (ermäßigt 6), Glockenführung 8 Euro (ermäßigt 6), Schatzkammer 8 Euro, St. Severi 7 Euro, Schulklassen 3 Euro pro Person.
April–Oktober: Mo–Sa 10–18 Uhr, sonn- und feiertags 13–17 Uhr. November–März: Mo–Sa 10–17 Uhr, sonn- und feiertags 13–17 Uhr. Außerhalb der Gottesdienste geöffnet.
Domstufen 1, 99084 Erfurt
Aus der Geschichte von Erfurt
Historische Orte
Augustinerstraße 10, 99084 Erfurt
Luther, Mönch dieses Klosters, wurde 1507 wahrscheinlich in der Kilianskapelle am Dom zum Priester geweiht, bevor er in der Augustinerkirche seine erste Messe feierte.
Domplatz, Erfurt
Der Dom steht über der Westseite des Platzes, von dort über die 70 Domstufen zu erreichen.
Severihof 2, 99084 Erfurt
Ihr Nachbar auf dem Domberg, mit dem sie das Wahrzeichen Erfurts bildet; 1387 legten die beiden Kapitel einen Grenzstreit zwischen den Kirchen bei, und die Severi-Glocke „Vincentia“ wurde 1497 zusammen mit der Gloriosa des Doms gegossen.
Rund um Weimar
20 km Westlich
Der Dom auf dem Domberg über dem Domplatz, 81,26 Meter hoch, mit seinen gotischen Chorfenstern und der Gloriosa, der größten freischwingenden mittelalterlichen Glocke der Welt.