Domplatz
Über diesen Ort
Der Domplatz ist Erfurts gute Stube unter freiem Himmel: mit mehr als 14.000 Quadratmetern der größte Platz der Stadt, Ort für Handel, Kultur und Begegnung.[1] An seiner Westseite führt eine Freitreppe mit 70 Stufen auf den Domberg, auf dem Dom St. Marien und St. Severi nebeneinander stehen; ringsum säumen ihn Fachwerk-Bürgerhäuser, das Renaissance-Gasthaus Zur Hohen Lilie und ein neugotisches Gerichtsgebäude, auf dem Pflaster stehen Erthal-Obelisk und Minervabrunnen. Bis heute ist er an sechs Tagen der Woche Hauptmarkt, im Advent Schauplatz des größten Weihnachtsmarkts Thüringens und im Sommer Schauplatz von Oper und Musical auf den Domstufen. Dank der Busparkplätze und der Tiefgarage unter dem Petersberg ist er für die meisten Gäste der erste Ort, an dem sie Erfurt begegnen.[3]
Ein Markt vor den Graden, 12. Jahrhundert–1293
Wo heute der südliche Teil des Domplatzes liegt, war einst sumpfiger Grund, durchflossen von einem Arm der Gera; nach der Trockenlegung im 12. Jahrhundert entstand hier ein Markt, den eine Urkunde von 1293 ante gradus nennt — vor den Graden, also vor der Treppe zum Dom. Später hieß er auch Großer Markt. Ganz in der Nähe kreuzte die via regia eine alte Handelsstraße von Norden nach Süden, und gehandelt wurde hier mit Salz, Holz und Leder; unter der Mainzer Herrschaft sprach man auf dem Platz auch öffentlich Recht.[4]
Erthal-Obelisk und Minervabrunnen, 1777–1992
1777 errichteten Stadt und Bürger auf dem Platz den Erthal-Obelisken, zum ersten Aufenthalt ihres Stadtherrn, des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Friedrich Josef von Erthal.[5] Zum Besuch Kaiser Wilhelms II. wurde er 1899 erneuert.[4] 1784 kam an der Südwestecke nahe der großen Domtreppe der Minervabrunnen hinzu, bekrönt von der Städtebeschützerin Minerva: der älteste erhaltene Brunnen Erfurts und der letzte von einst 53 öffentlichen Laufbrunnen, aus denen die Stadt ihr Trinkwasser holte. 1992 kehrte die restaurierte Minerva auf den Platz zurück.[5]
Wie die Belagerung den Platz öffnete, 1813–1945
Beim Beschuss der Festung Petersberg am 6. November 1813 wurde das Stadtviertel auf dem nördlichen Teil des Domplatzes schwer getroffen.[5] Das Severi-Viertel wurde nicht wieder aufgebaut, und seitdem ist der Platz wesentlich größer als zuvor; die preußische Garnison nutzte ihn als Exerzier- und Paradeplatz. Im Pflaster ist die alte Grenze bis heute zu sehen: Basalt auf dem ursprünglichen Teil, der der Kirche gehört, Betonsteine dort, wo das verlorene Viertel stand und heute die Stadt Eigentümerin ist.[4] Zum Besuch König Friedrich Wilhelms III. erhielt der Platz am 4. April 1823 den Namen Friedrich-Wilhelms-Platz; Domplatz heißt er seit 1945.[5]
Domstufen, Zitadelle und Häuserzeilen, 1538–1879
Die 70 Domstufen hinauf zu den beiden Kirchen haben ihre heutige Gestalt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, und nordwestlich grenzt die Zitadelle Petersberg unmittelbar an den Platz.[4] Am Fuß des Petersbergs erhebt sich das neugotische Gerichtsgebäude, erbaut 1874 bis 1879. Die übrigen Seiten rahmen Bürgerhäuser, überwiegend Fachwerk auf schmalen, tief in die Blöcke reichenden Parzellen; zwei davon sind Glanzstücke: die Grüne Apotheke, ein Bau des 18. Jahrhunderts, und das 1538 entstandene Haus zur Hohen Lilie, eines der besten Zeugnisse Erfurter Renaissancebaukunst. Im Osten öffnet sich der Platz zur Marktstraße, dem alten Straßenzug der via regia, an dem sich einst die Kaufleute ansiedelten — über sie gelangt man vom Domplatz in die übrige Altstadt.[3]
Zur Hohen Lilie, 1341–2002
Das Gasthaus Zur Hohen Lilie, erstmals 1341 erwähnt, zählt zu den ältesten Gasthäusern Europas. Als die Schweden Erfurt von 1631 bis 1635 besetzt hielten, wohnte König Gustav II. Adolf in diesem Haus; seit dem 9. September 2002 ist es nach langer Pause wieder ein Gasthaus.[5] Am Domplatz 31 wurden auch zwei große Philologen geboren: Hiob Ludolf, der die deutsche Afrikaforschung begründete und die „Grammatica Aethiopica“ schrieb, und sein Sohn Heinrich Wilhelm Ludolf, Begründer der deutschen Russlandforschung und Autor einer russischen Grammatik (1696).[6]
Eine Bühne der Stadtgeschichte, 1989–2011
Im Herbst 1989 wurde der Domplatz zum Ort des Aufbruchs: Am 26. Oktober zogen Zehntausende aus den Friedensgebeten der Kirchen hierher und verlangten demokratische Reformen, von da an jeden Donnerstag und mit immer weitergehenden Forderungen; am 9. November hörten viele von ihnen noch auf dem Platz, dass die Grenze offen war. Am 3. Juli 1999 sangen 1.700 Chorsängerinnen und Chorsänger hier zur Eröffnung der Multimedia-Inszenierung „Sommer-Nacht-Traum“, eines Projekts in Erfurts regionalem Beitrag zum Weimarer Kulturstadtjahr. Im September 2011 feierte Papst Benedikt XVI. auf einer großen Altarbühne auf dem Domplatz die Messe.[5]
Hauptmarkt seit dem 12. Jahrhundert, bis heute
Montags bis samstags ist der Platz schon am frühen Morgen belebt: Erzeuger aus dem nahen Umland verkaufen ihre landwirtschaftlichen Produkte, dazu Pflanzen und Blumen, und wer Hunger hat, findet einen Imbiss.[1] Auf dem Wochenmarkt überwiegt Regionales — Obst und Gemüse, Käse, Honig, Bioware —, mittwochs, freitags und samstags kommen Stände mit Haushaltswaren und Textilien hinzu.[7] Im Frühjahr lädt der dreitägige Blumen- und Gartenmarkt ein,[1] am 10. und 11. November das Martini-Fest zu Ehren des heiligen Martin und Martin Luthers[4] — 1995 begannen hier rund 60.000 Menschen das Lutherjahr 1996 zum 450. Todestag des Reformators[5] —, und im Advent der Erfurter Weihnachtsmarkt, der größte in Thüringen, mit traditionellem Handwerk, Thüringer Spezialitäten, großer Weihnachtspyramide, Krippenhaus und Märchenwald.[8]
Die DomStufen-Festspiele, seit 1994
Vereinzelt wurde auf der Domtreppe schon im Mittelalter Theater gespielt; 1994 gründete das Theater Erfurt auf Initiative seines Generalintendanten Dietrich Taube die DomStufen-Festspiele, zum Auftakt mit Carl Orffs „Carmina Burana“. Seitdem wird die Treppe mit ihren 70 Stufen zwischen Dom und St. Severi jeden Sommer zur Opern- oder Musicalbühne. Unter Generalintendant Guy Montavon stehen seit 2002 große Opern und Musicals auf dem Spielplan, seit 2009 spielt DOMINO für die Kleinen.[9] Hunderttausende Besucher haben die Festspiele bisher erlebt.[10]
Was Besucher fragen
- Wo liegt der Domplatz?
- Am Fuß des Dombergs mit Dom und St. Severi, nordwestlich grenzt die Zitadelle Petersberg an; von der Ostseite führt die Marktstraße in die übrige Altstadt. Mit Busparkplätzen und der Tiefgarage unter dem Petersberg ist er für die meisten Gäste der erste Anlaufpunkt in Erfurt.[3]
- Wie kommt man vom Domplatz zum Dom?
- Über die Domstufen, die breite Freitreppe mit 70 Stufen an der Westseite des Platzes, hinauf zu Dom St. Marien und St. Severi.[3]
- Welche Märkte finden auf dem Domplatz statt?
- Der Wochenmarkt von Montag bis Samstag mit regionalen Waren, Pflanzen und Blumen, im Frühjahr der dreitägige Blumen- und Gartenmarkt, am 10. und 11. November das Martini-Fest und im Advent der Erfurter Weihnachtsmarkt, der größte in Thüringen.[8]
- Was sind die DomStufen-Festspiele?
- Das Sommerfestival des Theaters Erfurt, gegründet 1994: Jedes Jahr wird auf den 70 Domstufen eine Oper oder ein Musical gespielt, vor der Kulisse von Dom und St. Severi.[9]
- Was hat es mit Obelisk und Brunnen auf dem Platz auf sich?
- Den Erthal-Obelisken errichteten Stadt und Bürger 1777 zum ersten Aufenthalt des Mainzer Kurfürsten Friedrich Josef von Erthal; der Minervabrunnen von 1784 an der Südwestecke ist der älteste erhaltene Brunnen Erfurts.[5]
- Was verbindet den Domplatz mit Weimar?
- Im Juli 1999, als Weimar Kulturstadt Europas war, eröffneten 1.700 Chorsängerinnen und Chorsänger auf dem Domplatz „Sommer-Nacht-Traum“, eine Multimedia-Inszenierung — eines der Projekte, mit denen sich Erfurt am Kulturstadtjahr beteiligte.[5]
Verbundene Persönlichkeiten
Reformator • Theologe • Prediger
Das Martini-Fest am 10. und 11. November auf dem Domplatz ehrt den heiligen Martin und Martin Luther; 1995 eröffneten hier rund 60.000 Menschen das Lutherjahr 1996.
Quellen (10)
- Domplatz — Landeshauptstadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Cathedral of St. Mary — Erfurt Tourismus & Marketing GmbH, abgerufen am 13. September 2026
- Domplatz: Architektur und Geschichte — Landeshauptstadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Domplatz (Erfurt) — Wikipedia, abgerufen am 13. September 2026
- Domplatz: Chronologie/Historie — Landeshauptstadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Gasthaus „Zur Hohen Lilie“ – Domplatz 31 — Literaturland Thüringen (Thüringer Literaturrat), abgerufen am 13. September 2026
- Erfurter Wochenmarkt Domplatz — Landeshauptstadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Erfurter Weihnachtsmarkt — Landeshauptstadt Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- Geschichte — DomStufen-Festspiele in Erfurt 1994–2025 — Theater Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
- DomStufen-Festspiele in Erfurt — Theater Erfurt, abgerufen am 13. September 2026
Besuchsinformationen
Wochenmarkt Montag bis Samstag 06:30 bis 14:00 Uhr; Hartwarenmarkt Mittwoch, Freitag und Samstag.
Domplatz, Erfurt
50.9769, 11.0239
Aus der Geschichte von Erfurt
Historische Orte
Domstufen 1, 99084 Erfurt
Der Dom steht über der Westseite des Platzes, von dort über die 70 Domstufen zu erreichen.
Severihof 2, 99084 Erfurt
St. Severi steht neben dem Dom über dem Platz; seit das Severi-Viertel 1813 zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde, ist der Domplatz so weitläufig.
Petersberg 3, 99084 Erfurt
Der Beschuss der Festung Petersberg im November 1813 zerstörte das Viertel auf dem nördlichen Teil des Platzes, der seitdem offen liegt.
Rund um Weimar
20 km Westlich
Der größte Platz der Stadt unter dem Domberg: Hauptmarkt, Weihnachtsmarkt und Bühne der DomStufen-Festspiele.