Goethe-Laboratorium
Über diesen Ort
Das Goethe-Laboratorium ist die Dauerausstellung der Universität Jena über den Naturforscher Goethe, zu Hause im Inspektorhaus des Botanischen Gartens, in dem Goethe zwischen 1817 und 1830 mehr als 350 Tage verbrachte.[1] Zum 50. Dienstjubiläum Großherzog Carl Augusts 1825 ließ er das Haus nach Plänen von Clemens Wenzeslaus Coudray neu errichten: eine dreiflügelige Anlage aus gelb verputzten Fachwerkbauten um einen kleinen, fast quadratischen Hof, die Goethe nach der Fertigstellung 1827 besichtigte.[2] Schon 1921 wurden hier Gedenkräume eingerichtet; seit 2024 zeigt die Ausstellung „Bewegliche Ordnung“ Goethes Geologie, Anatomie und Botanik und gibt Einblicke in seine Meteorologie, Paläontologie und Farbenlehre.[3][4]
Sommerquartier im Garten, 1817–1822
Ende Mai 1817 verlegte Goethe sein Jenaer Sommerquartier in das Inspektorhaus des Botanischen Gartens. Gartendirektor Friedrich Siegmund Voigt überließ ihm seine Dienstwohnung im Erker des ersten Stocks, und auch die Oberaufsicht über die Anstalten für Wissenschaft und Kunst zog mit ihm dorthin. Im Erdgeschoss des alten Hauses lagen damals noch Kuhstall, Waschküche und Kammern für Ackergerät und Vorräte. In seiner „Clausur auf dem Blumen- und Pflanzenberge“ kam Goethe allein in den Jahren 1817 und 1819 bis 1822 auf mehr als 300 Tage; 1820 blieb er ohne Unterbrechung vom 31. Mai bis zum 4. November, gut fünf Monate.[2] Sein Amt führte ihn regelmäßig nach Jena, und das Haus war sein Rückzugsort: Hier konnte er ungezwungen Gäste um sich haben und sich vom akademischen Betrieb erholen.[1]
Ein Arbeitszimmer wie bei Faust, 1817–1824
Im Garten widmete sich Goethe den verschiedensten Feldern der Naturforschung; hier entstanden die Hefte seiner Zeitschrift „Zur Naturwissenschaft überhaupt, zur Morphologie insbesondere“, die zwischen 1817 und 1824 erschienen, und daneben arbeitete er literarisch, wissenschaftspolitisch und an den Sammlungen der Universität.[2] Zeitgenossen fühlten sich in seinem Arbeitszimmer an Fausts Studiergewölbe erinnert: Kupferstiche lagen herum, Kisten mit Steinen, Teile von Skeletten — zwei Totenschädel vom nahen Johannisfriedhof darunter —, in einer schöpferischen, beinahe chaotischen Ordnung zwischen Akten und Sammelstücken.[1]
Gäste in der Gartenwohnung, 1820–1825
Goethe empfing hier Gelehrte und Gäste der Universität, bewirtete mehrfach Großherzog Carl August und einmal auch Großherzog Carl Friedrich mit seiner Gemahlin Maria Pawlowna. Im August 1820 saßen zwei Bildhauer aus Berlin, Christian Daniel Rauch und Christian Friedrich Tieck, zur selben Zeit in der Gartenwohnung und modellierten jeder seine Büste des Dichters, der damals einundsiebzig war.[2] Als ihm im November 1825 die Ehrendoktorwürde verliehen wurde, schrieb Goethe, er sei „dieser Akademie ganz eigentlich die Entwicklung meines wissenschaftlichen Bestrebens schuldig geworden“.[1]
Coudrays Neubau und der Ginkgo, 1825–1827
Zum 50. Dienstjubiläum Carl Augusts im September 1825, zugleich Goethes fünfzigstem Jahr im Weimarer Dienst, sollte ein Neubau der gewachsenen Bedeutung des 1794 eingerichteten Botanischen Gartens gerecht werden; Goethe gab selbst Anregungen und besprach den Entwurf mit Hofarchitekt Coudray, und die Inschrift „DEM III. Sept. MDCCCXXV“ am Ostgiebel erinnert bis heute an den Anlass.[1] Das alte Haus wurde bis auf den Grund abgetragen und nach Coudrays Plänen an derselben Stelle neu gebaut, nun mit der Front nach Osten, zum Garten hin; im Oktober 1827 besichtigte Goethe den fertigen Bau.[2] Der mächtige, über 200 Jahre alte Ginkgo im Garten wurde noch zu Goethes Lebzeiten gepflanzt.[5]
Die letzte Nacht im Garten, Juni 1830
1830 kam Goethe zum letzten Mal nach Jena und übernachtete vom 19. auf den 20. Juni in seiner Gartenwohnung. Im Tagebuch notierte er: „Im botanischen Garten abgestiegen und den Erker bezogen. Fand alles in bester Ordnung.“ Am nächsten Morgen ging er im Schloss die mineralogische und die zoologische Sammlung durch, bevor er nach Weimar zurückfuhr.[2] Rechnet man seine Aufenthalte vom ersten Besuch am 23. Dezember 1775 bis zu diesem letzten zusammen, verbrachte er mehr als fünf Jahre in Jena, das ihm zur zweiten Heimat wurde.[6]
Goethe-Zimmer, Gedenkstätte, Laboratorium, 1921–2024
Bereits 1921 entstanden im Haus Gedenkräume, die Goethes Wohn- und Arbeitswelt zeigten. 1945 zerstörten Bomben Teile des Nordost-Flügels, der Wiederaufbau von 1947 bis 1949 hielt sich an die alten Pläne; nach einer aufwendigen Sanierung von 2014 bis 2024 ist die räumliche Gliederung weitgehend erhalten.[1] Aus den Goethe-Zimmern von 1921 wurde 1954 die Goethe-Gedenkstätte und 2024 das Goethe-Laboratorium.[3]
Die Ausstellung „Bewegliche Ordnung“, seit 2024
Kuratiert von Helmut Hühn (Jena) und Margrit Wyder (Zürich), vergegenwärtigt die Dauerausstellung die Grundlagen von Goethes Naturstudium und erkundet dabei die Wissenschaften und ihre Geschichte.[7] Am Eingang hängt Heinrich Christoph Kolbes lebensgroßes Bildnis Goethes in italienischer Landschaft mit dem Vesuv im Hintergrund, gemalt 1822 bis 1826 und 1831 der Universität geschenkt. Im Geologieraum liegen eine Granitplatte aus dem Harz, Goethes Lieblingsgestein, und die Urkunde, mit der die Jenaer Mineralogische Societät 1804 den Philosophen Hegel zum Ehren-Assessor ernannte; Goethe war seit 1803 ihr Präsident.[5]
Besuch, heute
Das Goethe-Laboratorium ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, der Zugang liegt ausschließlich am Fürstengraben, nicht im Botanischen Garten; Kombitickets gelten auch für den Botanischen Garten oder Schillers Gartenhaus. Führungen für Gruppen bis zwölf Personen gibt es ganzjährig nach Absprache, auf Deutsch und auf Englisch, außerhalb der Öffnungszeiten bevorzugt dienstags.[8]
Was Besucher fragen
- Wie viel Zeit verbrachte Goethe im Inspektorhaus?
- Mehr als 350 Tage zwischen 1817 und 1830; allein 1820 wohnte er ununterbrochen vom 31. Mai bis zum 4. November dort.[1][2]
- Wer hat das heutige Haus gebaut?
- Der Weimarer Hofarchitekt Clemens Wenzeslaus Coudray, der es zum Jubiläum Carl Augusts 1825 nach Goethes Anregungen neu errichtete; im Oktober 1827 besichtigte Goethe die fertige dreiflügelige Anlage.[1][2]
- Was zeigt das Goethe-Laboratorium?
- Goethes Naturforschung: vor allem Geologie, Anatomie und Botanik, dazu an ausgewählten Objekten seine Meteorologie, Paläontologie und Farbenlehre, und am Eingang Kolbes lebensgroßes Goethe-Bildnis.[4][5]
- Ist das Goethe-Laboratorium die frühere Goethe-Gedenkstätte?
- Ja. Die 1921 im Inspektorhaus eingerichteten Goethe-Zimmer wurden 1954 zur Goethe-Gedenkstätte und sind seit 2024 das Goethe-Laboratorium.[3]
- Wann ist das Goethe-Laboratorium geöffnet, und was kostet der Eintritt?
- Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, an gesetzlichen Feiertagen geschlossen; der Eintritt kostet 3 Euro, ermäßigt 2 Euro, Kinder unter zehn Jahren und Studierende der Universität Jena zahlen nichts. Der Eingang liegt am Fürstengraben.[8][7]
Verbundene Persönlichkeiten
Dichter • Staatsmann • Naturforscher
Goethe verbrachte hier zwischen 1817 und 1830 mehr als 350 Tage, führte von hier aus die Oberaufsicht über die wissenschaftlichen Anstalten und ließ das Haus 1825–1827 neu bauen; die Ausstellung darin gilt seiner Naturforschung.
Architekt • Oberbaudirektor
Coudray entwarf das neue Inspektorhaus, abgestimmt mit Goethe und 1825–1827 an alter Stelle als dreiflügelige Anlage um einen kleinen Hof errichtet.
Herzog • Großherzog • Mäzen
Das Haus wurde zu seinem 50. Dienstjubiläum 1825 neu gebaut, woran der Ostgiebel erinnert, und Goethe bewirtete ihn hier mehrfach.
Großherzogin • Mäzenin
Goethe empfing sie und Großherzog Carl Friedrich einmal in seiner Gartenwohnung im Inspektorhaus.
Quellen (8)
- Inspektorhaus des Botanischen Gartens — Kulturdenkmale in Jena (JenaKultur), abgerufen am 13. September 2026
- Goethe im Inspektorhaus des Botanischen Gartens 1817–1830 — Goethe-Laboratorium, Friedrich-Schiller-Universität Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Metamorphosen des Ausstellens im Inspektorhaus — Goethe-Laboratorium, Friedrich-Schiller-Universität Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Goethe-Laboratorium — JenaKultur / Visit Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Rundgang durch die Ausstellung — Goethe-Laboratorium, Friedrich-Schiller-Universität Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Goethe und Jena — Goethe-Laboratorium, Friedrich-Schiller-Universität Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Goethe-Laboratorium — Friedrich-Schiller-Universität Jena, abgerufen am 13. September 2026
- Besuch und Rundgang — Goethe-Laboratorium, Friedrich-Schiller-Universität Jena, abgerufen am 13. September 2026
Besuchsinformationen
3 Euro, ermäßigt 2 Euro; Kinder unter 10 Jahren und Studierende der Universität Jena frei. Kombitickets: mit dem Botanischen Garten 6 Euro, mit Schillers Gartenhaus 5 Euro.
Mittwoch bis Sonntag 11–17 Uhr; an gesetzlichen Feiertagen geschlossen. Zugang nur über den Fürstengraben.
Fürstengraben 26, 07743 Jena
Aus der Geschichte von Jena
Historische Orte
Fürstengraben 26, 07743 Jena
Das Inspektorhaus steht im Botanischen Garten und kehrt ihm seit Coudrays Neubau die Front zu; der Eingang zur Ausstellung liegt am Fürstengraben, und ein Kombiticket gilt für beide.
Rund um Weimar
19 km Östlich
Das Inspektorhaus des Botanischen Gartens, von 1817 bis 1830 Goethes Jenaer Quartier und seit 2024 die Goethe-Ausstellung der Universität.