Mittelalterliche Anfänge Weimars
Sechs Jahrhunderte lang ist Weimar eine kleine thüringische Stadt mit Burg, Markt und Kirche, überschattet von den größeren Nachbarn. Was das Mittelalter hier hinterlässt, ist kein Denkmal, sondern ein Grundriss — und, nach dem Stadtbrand von 1424, die beiden Bauten, um die herum alles Spätere geschieht.
899: ein Wort auf Pergament
Das Erste, was man von diesem Ort weiß, ist sein Name. Eine Kaiserurkunde von 899 nennt ihn Vvigmara, und ein Jahrhundert lang bleibt es dabei.[1] Um 1002 steht hier eine Burg, die stark genug ist, einen Kaiser unverrichteter Dinge heimzuschicken: Otto III. belagert sie und gibt auf. Die Stadtchronik, die dieses Scheitern festhält, nennt den Grafen, dem sie gehörte, den mächtigsten in Thüringen — das erste und für lange Zeit letzte Mal, dass Weimar als bedeutend beschrieben wird.
Der lange Weg zur Stadt, 1254–1410
Zweieinhalb Jahrhunderte nach dieser Belagerung nennt eine Urkunde den Ort zum ersten Mal Stadt: 1254 heißt es „in civitate nostra Wimare“. Ein Rat aus sechs Männern — zwei Ratsmeistern und vier Ratsmannen — ist ab 1348 bezeugt. Grafschaft und Burg fielen 1372 an die Wettiner, als die Grafen von Weimar-Orlamünde ausstarben, und 1410 stellten diese das Stadtrecht aus, nach Weißenseer Vorbild und in Bestätigung dessen, wonach die Bürger längst lebten. Dass die Urkunde der Praxis hinterherkommt, ist die Regel und nicht die Ausnahme.
Worüber eine kleine Stadt Gesetze macht, 1433
Das Maß der Verhältnisse steckt darin, was der Rat 1433 regelungsbedürftig fand: was ins Bier darf. Hopfen und Malz, sonst nichts — keine Zusätze, keine Abkürzungen. Neun Jahre nachdem ein Brand große Teile der Stadt genommen hatte, ist dies, was die Überlieferung den Rat tun sieht; ein zutreffendes Bild der Größenordnung, in der Weimar sich selbst verwaltete.
Der Brand von 1424 — und was bis 1500 danach stand
1424 nahm ein Feuer große Teile der Stadt, die Häuser und mit ihnen Burg, Stadtkirche und Rathaus.[1] Was danach entstand, ist das, wodurch man heute geht: die Burg im Renaissancegewand und die Stadtkirche, ab 1498 als dreischiffige Halle über einem Vorgängerbau von 1245–1249 errichtet und 1500 vollendet[2] — ein Haus von genau der Größe und dem Ernst, den das nächste Jahrhundert brauchen sollte, was damals niemand wissen konnte.
Was Besucher fragen
- Was sind Weimars mittelalterliche Anfänge?
- Sechs Jahrhunderte einer kleinen thüringischen Stadt mit Burg, Markt und Kirche, von der ersten urkundlichen Erwähnung 899 bis 1518, dem Jahr, für das Luthers Predigt in Weimar erstmals belegt ist.
- Wann wurde Weimar erstmals urkundlich erwähnt?
- 899, als eine Urkunde Kaiser Arnulfs von Kärnten den Ort Vvigmara nennt[1] — der früheste Beleg dafür, dass es Weimar gibt.
- Wann wurde Weimar Stadt?
- Die erste Urkunde, die den Ort Stadt nennt, stammt von 1254 („in civitate nostra Wimare“); ein Rat aus sechs Männern ist ab 1348 bezeugt, und 1410 stellten die Wettiner das Stadtrecht aus, das ältere, bereits gelebte Regeln bestätigte.
Quellen
- Weimar Chronik kompakt — Stadt Weimar, abgerufen am 29. August 2026
- Stadtkirche St. Peter und Paul (Herderkirche) — Kirchenkreis Weimar, abgerufen am 29. August 2026
Was geschah
- 1424Der Stadtbrand von 1424
Das größte überlieferte Ereignis der mittelalterlichen Stadt — und der Grund, warum ihre ältesten Bauten aus dem 15. Jahrhundert stammen.
- 899Weimar erscheint zuerst in einer Urkunde, 899
Das erste Datum der mittelalterlichen Epoche und das Jahr, von dem an die Stadt ihre Geschichte zählt.
Orte der Epoche
Historische Orte
Petersgasse 33, 99428 Gelmeroda
Die ältesten Teile der Chorturmkirche stammen vom Beginn des 13. Jahrhunderts.
Goetheplatz, Weimar
Der Turm gehört zur Befestigung des 15. Jahrhunderts — fast das Einzige, was von den mittelalterlichen Wehranlagen steht.
Markt, 99423 Weimar
Der Platz trägt die Geschäfte der mittelalterlichen Stadt: Brand 1424 und Brauordnung 1433 sind die ersten Einträge der Chronik zu ihm.
Markt, Ostseite, Ecke Grüner Markt, Weimar
Ein Bürgerhaus des 15. Jahrhunderts, 1432 der Stadt überlassen.
Herderplatz, 99423 Weimar
Die Stadtkirche St. Peter und Paul entstand 1498–1500 als dreischiffige Hallenkirche über einem ersten Kirchenbau von 1245–1249 — der eine mittelalterliche Innenraum, den man in Weimar noch betreten kann.
Burgplatz 4, 99423 Weimar
Das Schloss beginnt hier als mittelalterliche Wasserburg; nach dem Stadtbrand von 1424 wurde die Anlage zum Renaissanceschloss „Hornstein“ umgebaut.
Bühnen und Spielstätten
Der Grundriss der Altstadt ist das, was vom mittelalterlichen Weimar geblieben ist, neben Resten der Stadtmauer.
Erstmals im 15. Jahrhundert als herzoglicher Baumgarten erwähnt.
Übernachten und essen in der Nähe
Rund um Weimar
Südwestlich
Die Reihe der Burgherren beginnt mit einer Urkunde von 1256, die Stadt wird 1252 erstmals genannt — dieselben Jahrhunderte, in denen Weimar zur Stadt wurde.