Adolf Hitler
Biografie
Adolf Hitler, von 1933 bis zu seinem Selbstmord 1945 Diktator Deutschlands und der Mann im Zentrum des Mordes an rund sechs Millionen Juden,[1] kam mehr als vierzigmal nach Weimar.[2] Für seine Partei war die Stadt zweierlei auf einmal: der Gründungsort der verhassten Republik und die Heimat jener deutschen Kulturtradition, die sie für sich beanspruchte. Deshalb führt ein Gang durch Weimar immer wieder an Orte, die mit ihm zu tun haben — das Theater, in dem die Partei 1926 tagte und in dem später eine Loge für ihn umgebaut wurde, das Hotel am Markt mit seiner Suite und seinem Balkon, das Gauforum, für das ein ganzes Viertel fiel, das Nietzsche-Archiv, dessen Gedächtnishalle er bezahlte, und über allem das Lager auf dem Ettersberg.
Eine Stadt mit zwei Bedeutungen, 1925–1940
Zwischen den Kriegen wurde Weimar ein Zentrum konservativer und nationalistischer Strömungen, und für die Nationalsozialisten hatte die Stadt ein doppeltes Gewicht: Hier war die verhasste Republik gegründet worden, und hier lag die große deutsche Kulturtradition. Mehr als vierzigmal kam Hitler selbst in die Stadt.[2] Diese Besuche zwischen 1925 und 1940 hat Holm Kirsten, der Leiter der Sammlung der Gedenkstätte Buchenwald, in einem Buch untersucht, und die Gedenkstätte hat einen historischen Stadtplan Weimars für diese Jahre herausgegeben. Auf das Wohlwollen der Thüringer Landesregierung konnte die Partei früh zählen — auch deshalb fiel die Wahl für ihren Parteitag von 1926 auf Weimar.[3]
Der Parteitag im Nationaltheater, 3.–4. Juli 1926
Am 3. und 4. Juli 1926 hielt die NSDAP in Weimar ihren zweiten Reichsparteitag ab, den ersten seit der Neugründung im Februar 1925.[2] Er sollte eine zersplitterte Partei bedingungslos auf Hitler ausrichten und sie als geschlossene Bewegung vorführen, und in zwei Tagen entstanden Versatzstücke des späteren Kults: Die Jugendorganisation erhielt den Namen Hitler-Jugend, die sogenannte Blutfahne ging an die SS, und der Hitlergruß wurde zum ersten Mal als Massenerscheinung gezeigt.[3] Die Sondertagung für Jugendfragen saß im Vereinslokal Armbrust in der Schützengasse, dem heutigen Kino.[2] In der Nacht zum 4. Juli schlief Hitler zum ersten Mal im Hotel Elephant, eingetragen mit dem Beruf Schriftsteller.[4]
Stimmen, eine Regierung und ein Boykott, 1930–1937
Im März 1930 wurde Wilhelm Frick in Thüringen der erste nationalsozialistische Minister einer deutschen Landesregierung. Bei den Reichspräsidentenwahlen im März und April 1932 erhielt Hitler in Weimar 34,5 und dann 42,8 Prozent der Stimmen, und im August 1932 übernahm die Partei unter dem in Weimar residierenden Gauleiter Fritz Sauckel die Thüringer Regierung.[2] Im Reich hatte er rund 30 und dann knapp 37 Prozent erreicht; am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg ihn zum Reichskanzler.[5] In Weimar begann wie überall sofort die Verfolgung der Gegner: Am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte boykottiert, am 21. Juni brannten bei einer Sonnwendfeier in Niedergrunstedt Bücher, und 1937 wurde aus dem Schlossmuseum eine große Zahl moderner Werke als „entartet“ beschlagnahmt, die meisten davon später zerstört.[2]
Im Nietzsche-Archiv, 1932–1944
Anfang 1932 begegneten sich Elisabeth Förster-Nietzsche und Hitler zum ersten Mal, bei der deutschen Erstaufführung von Mussolinis Stück über Napoleons hundert Tage; danach kam er mehrfach in die Villa auf dem Silberblick.[6] Zwischen 1932 und 1934 empfing sie ihn dort und schenkte ihm den Spazierstock ihres Bruders.[7] Bei einem Besuch im Oktober 1934 stiftete er 50.000 Reichsmark aus eigenen Mitteln und brachte damit die Planung einer Nietzsche-Gedächtnishalle in Gang; als sie 1935 starb, nahm er an der Beerdigung teil, im April 1937 genehmigte er den Kompromissentwurf Paul Schultze-Naumburgs, im August 1938 war Richtfest. Mit Kriegsbeginn kam die Arbeit fast ganz zum Erliegen. Zu Nietzsches hundertstem Geburtstag 1944 hatte Weimar eine halbfertige Halle und ein Telegramm Hitlers, der sich von Alfred Rosenberg vertreten ließ.[6]
Das Gauforum, 1936–1943
Im Juni 1936 entschied Hitler den Wettbewerb für ein Gauforum zugunsten Hermann Gieslers und fügte Eigenes hinzu: einen rund sechzig Meter hohen Glockenturm am Haus des Gauleiters und eine Halle für 20.000 Stehende.[8] Am 4. Juli 1936 taten er und Sauckel den ersten Spatenstich. Für den Bauplatz wurde der Asbachgrund aufgeschüttet, und 139 Häuser der Jakobsvorstadt fielen, 462 Wohnungen für etwa 1.650 Menschen; am 1. Mai 1937 legte Rudolf Heß vor rund 40.000 Menschen den Grundstein der Halle und gab dem Platz den Namen Platz Adolf Hitlers.[8] Solche Foren waren für alle Gauhauptstädte geplant und wurden nur hier weitgehend gebaut. 1943 standen alle Gebäude bis auf die Halle, und auf der Baustelle hatten auch Häftlinge aus Buchenwald gearbeitet.[9]
Der Elephant und sein Balkon, 1937–1938
Das alte Hotel Elephant am Markt wurde 1937 bis auf die Grundmauern abgerissen — die Begründung lautete Baufälligkeit —, und Giesler baute das neue. Der Balkon zum Markt war als Rednertribüne gedacht, mit Fahnenstangen und einem Relief des Reichsadlers, und im ersten Stock zum Garten hin entstand eine Suite nach Hitlers eigenen Wünschen, die kein anderer Gast benutzte. Richtfest war an seinem Geburtstag 1938, und zum Gautag im November eröffnete das Haus mit Hitler als erstem Gast.[10] Der Grundstein war am 3. November 1937 gelegt worden, die Einweihung war am 5. November 1938, das Hotel gehörte der Partei, und Hitler war vierzigmal ihr Gast.[4] War er im Haus, diente der Markt als Aufmarschplatz, und die Menge rief ihn in Sprechchören auf den Balkon.[10]
Das Theater und seine Loge, 1933–1944
Hitler wollte aus dem Nationaltheater eine führende Bühne des Reiches machen. Er unterstützte es mit Geld und besuchte viele Opern- und Operettenaufführungen; die Mittelloge im ersten Rang wurde für ihn umgebaut, mit einer Hakenkreuzdecke über der Brüstung. Sein Vertrauter Hans Severus Ziegler führte das Haus als Generalintendant, verbannte die Stücke jüdischer und politisch unerwünschter Autoren vom Spielplan und drängte auf die Entlassung von Schauspielern und Musikern, die das Regime als „nicht-arisch“ einstufte, während die SS-Aufseher des nahen Lagers als Publikum umworben wurden und die besten Plätze reserviert bekamen. Das zehnjährige Jubiläum des Parteitags von 1926 feierte die Stadt 1936 mit Massen vor dem Theater, die ihrem Führer zujubelten.[11]
Buchenwald, 1937–1945
Zwei Befehle Hitlers verbinden ihn mit dem Lager auf dem Ettersberg, das 1937 eröffnet wurde. Am 21. März 1942 ernannte er Sauckel zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz — der Erlass, mit dem die massenhafte Verschleppung von Millionen europäischer Arbeitskräfte in die deutsche Rüstungswirtschaft begann.[12] Und in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1944 wurde Ernst Thälmann, der seit 1933 inhaftierte KPD-Vorsitzende, am Eingang zum Ofenraum des Krematoriums erschossen, vermutlich auf Hitlers direkten Befehl; eine Notiz Himmlers von einer Besprechung mit Hitler am 14. August 1944, Punkt 12, Thälmann sei zu exekutieren, ist in der Ausstellung der Gedenkstätte zu sehen. Zu Hitlers fünfzigstem Geburtstag 1939 hatte das Lager Häftlinge in einer sogenannten Gnadenaktion entlassen.[13]
30. April 1945 und ein umbenannter Platz
Am 30. April 1945 nahm sich Hitler im Bunker unter der Reichskanzlei in Berlin das Leben.[5] In Weimar wurde der Adolf-Hitler-Platz im Mai 1945 zum Karl-Marx-Platz, abgesprochen zwischen dem Oberbürgermeister und dem amerikanischen Stadtkommandanten; im März 1946 zog die Sowjetische Militäradministration für Thüringen mit ihrem Stab in das Nordhaus des Gauforums, und 1955/56 stand ein Stalindenkmal auf dem Platz.[8]
Was Besucher fragen
- Wie oft war Hitler in Weimar?
- Mehr als vierzigmal, nach der Zählung im Wikipedia-Artikel über die Stadt;[2] der Artikel über das Hotel zählt vierzig Aufenthalte im Elephant.[4] Holm Kirsten von der Gedenkstätte Buchenwald hat die Besuche der Jahre 1925 bis 1940 in einem Buch untersucht.[3]
- Warum war Weimar den Nationalsozialisten so wichtig?
- Die Stadt bedeutete zweierlei zugleich: Gründungsort der verhassten Republik und Heimat der großen deutschen Kulturtradition. 1926 hielt die Partei hier ihren ersten Parteitag nach der Neugründung ab, und später galt der Stadt Hitlers besondere Aufmerksamkeit als Ort einer weitreichenden Neugestaltung.[2]
- Was hat Hitler in Weimar gebaut?
- Das Gauforum, dessen Wettbewerb er im Juni 1936 für Hermann Giesler entschied und dem er Glockenturm und eine Halle für 20.000 Menschen hinzufügte;[8] das neue Hotel Elephant, im November 1938 mit ihm als erstem Gast eröffnet;[10] und die Nietzsche-Gedächtnishalle, für die er 1934 50.000 Reichsmark gab und die er nie fertig sah.[6]
- Wo hat Hitler in Weimar gewohnt?
- Im Hotel Elephant am Markt — zum ersten Mal am 3. Juli 1926 während des Parteitags, als Schriftsteller eingetragen, und ab 1938 in einer Suite zum Garten des für die Partei neu gebauten Hauses; der Balkon zum Markt war als seine Rednertribüne gebaut.[4][10]
- Was geschah beim Parteitag 1926 in Weimar?
- Am 3. und 4. Juli 1926 richtete sich die neu gegründete Partei im Nationaltheater bedingungslos auf Hitler aus: Die Jugendorganisation wurde zur Hitler-Jugend, die Blutfahne ging an die SS, und der Hitlergruß wurde zum ersten Mal als Massenerscheinung gezeigt.[3]
Quellen (13)
- Adolf Hitler — Wikipedia (English), abgerufen am 13. September 2026
- Weimar — Wikipedia (German), abgerufen am 13. September 2026
- Veranstaltung: Reichsparteitag der NSDAP in Weimar — Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, abgerufen am 13. September 2026
- Hotel Elephant — Wikipedia (German), abgerufen am 13. September 2026
- LeMO Biografie – Adolf Hitler — Deutsches Historisches Museum (LeMO), abgerufen am 13. September 2026
- Nietzsche-Archiv — Wikipedia (German), abgerufen am 13. September 2026
- Elisabeth Förster-Nietzsche — Wikipedia (German), abgerufen am 13. September 2026
- Gauforum Weimar — Wikipedia (German), abgerufen am 13. September 2026
- Gauforum – Weimar im Nationalsozialismus — Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, abgerufen am 13. September 2026
- Hotel Elephant – Weimar im Nationalsozialismus — Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, abgerufen am 13. September 2026
- Deutsches Nationaltheater – Weimar im Nationalsozialismus — Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, abgerufen am 13. September 2026
- Fritz Sauckel — Wikipedia (German), abgerufen am 13. September 2026
- KZ Buchenwald — Wikipedia (German), abgerufen am 13. September 2026
Verbundene Orte in Weimar
Humboldtstraße 36, 99425 Weimar
Ab 1932 kam er mehrfach in die Villa und stiftete im Oktober 1934 50.000 Reichsmark für die Gedächtnishalle daneben.[^wikipedia-de-nietzsche-archiv]
Theaterplatz 2, 99423 Weimar
Hier tagte im Juli 1926 in seiner Anwesenheit der Parteitag, und die Mittelloge im ersten Rang wurde später für ihn umgebaut.[^buchenwald-reichsparteitag][^weimar-im-ns-dnt]
Historischer Kontext
Bei den Weimarer Reichspräsidentenwahlen 1932 erhielt er 34,5 und dann 42,8 Prozent; im August 1932 übernahm seine Partei die Thüringer Regierung, fünf Monate bevor er Reichskanzler wurde.[^wikipedia-de-weimar]
Dass Deutschlands erste Demokratie nach dieser Stadt heißt, hat einen beinahe zufälligen Grund: 1919 war die Hauptstadt zu gefährlich, um darin eine Verfassung zu schreiben, und Weimar war ruhig.
Mehr über diese Epoche →Mehr als vierzig Besuche, das Gauforum, der Elephant, die Theaterloge und das Lager auf dem Ettersberg: Das Weimar dieser Epoche ist die Stadt, die er prägte.[^wikipedia-de-weimar]
Das Regime wollte Weimar wegen dessen Namen — und errichtete auf dem Berg über der Stadt ein Konzentrationslager. Beides gehört zu denselben zwölf Jahren.
Mehr über diese Epoche →Kurzprofil
1889
1945
in Österreich geboren, ab 1932 deutsch
Übernachten und essen in der Nähe
Übernachten
Markt 19, 99423 Weimar
Sein Weimarer Quartier von der ersten Nacht am 3. Juli 1926 bis zur Gartensuite des 1938 für die Partei neu gebauten Hauses; vierzigmal war er hier Gast.[^wikipedia-de-hotel-elephant]
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten
1894–1946 • Gauleiter • Reichsstatthalter • Kriegsverbrecher
Sauckel tat mit ihm am 4. Juli 1936 den ersten Spatenstich zum Gauforum, und am 21. März 1942 machte Hitler ihn zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz.[^wikipedia-de-gauforum][^wikipedia-de-sauckel]
1846–1935 • Archivarin • Herausgeberin • Verlegerin
Sie begegnete ihm Anfang 1932, empfing ihn zwischen 1932 und 1934 im Archiv und schenkte ihm den Spazierstock ihres Bruders; 1935 nahm er an ihrer Beerdigung teil.[^wikipedia-de-efn][^wikipedia-de-nietzsche-archiv]
In Weimars Geschichte
In Weimars Geschichte
Am 3. und 4. Juli 1926 hielt die Partei ihren ersten Reichsparteitag nach der Neugründung ab — in Anwesenheit Hitlers und in dem Saal, in dem die Republik sieben Jahre zuvor ihre Verfassung beschlossen hatte.
Der Parteitag, der die neu gegründete Partei auf ihn ausrichtete und der Hitler-Jugend ihren Namen gab, am 3. und 4. Juli 1926 in Weimar.[^buchenwald-reichsparteitag]
Die Partei baute sich mitten in Weimar ein Verwaltungsviertel mit einer Halle für zwanzigtausend — und setzte dafür KZ-Häftlinge ein. Das meiste davon steht noch.
Im Juni 1936 entschied er den Wettbewerb für Giesler, fügte Glockenturm und Halle hinzu und tat am 4. Juli 1936 den ersten Spatenstich.[^wikipedia-de-gauforum]
Ab Juli 1937 ließ die SS Häftlinge auf dem Ettersberg ein Lager bauen, auf dem bewaldeten Höhenzug über der Stadt. 277.800 Menschen aus über fünfzig Ländern waren dort inhaftiert; 56.000 überlebten es nicht.
Das Lager über der Stadt entließ zu seinem fünfzigsten Geburtstag 1939 Häftlinge und war 1944 der Ort von Thälmanns Ermordung auf seinen Befehl.[^wikipedia-de-kz-buchenwald]
Am 18. August 1944 wurde der Führer der deutschen Kommunisten im Krematorium von Buchenwald getötet. Neun Jahre später markierte die erste Gedenktafel im Häftlingslager die Stelle, und die DDR richtete ihre Besuche darauf aus.
Thälmann wurde im August 1944 in Buchenwald erschossen, vermutlich auf seinen direkten Befehl; Himmlers Notiz vom 14. August 1944 hält die Anweisung fest.[^wikipedia-de-kz-buchenwald]