Mühlhausen
Über Mühlhausen
Mühlhausen, gut siebenundsechzig Kilometer nordwestlich von Weimar, war die erste Stadt Thüringens mit eigenem Stadtrecht und wuchs zu einer freien Reichsstadt heran, die keinem Landesherrn unterstand außer dem Kaiser. Die mittelalterliche Stadtmauer umschließt bis heute große Teile der Altstadt, ihre höchste Kirche wurde 1525 zum Sitz von Thomas Müntzers kurzlebiger revolutionärer Regierung, und ihr Organist für ein Jahr, 1707 bis 1708, war der junge Johann Sebastian Bach.
Erstmals genannt, erstmals verbrieft, 967–1135
Kaiser Otto II. nannte die Siedlung 967 in einer Urkunde mulinhuson — die erste urkundliche Erwähnung der Stadt. 1135 erhielt sie das Stadtrecht, als erster Ort Thüringens, und wuchs an den Handelswegen durch das Unstruttal zu einer der bedeutendsten Städte der Region heran.[1]
Eine Stadt, die nur dem Kaiser unterstand, 1251–1290
König Konrad IV. gewährte der Stadt 1251 Privilegien, und bis 1290 hatte Rudolf von Habsburg ihren Rang als freie Reichsstadt bestätigt — ein Status, der sie allein der kaiserlichen Autorität unterstellte, keinem Landesfürsten, und ihr über Jahrhunderte erlaubte, sich als eigener kleiner Staat im Reich selbst zu regieren.[1]
Thomas Müntzers Jahr, 1524–1525
Thomas Müntzer kam im August 1524 nach Mühlhausen und wurde im Februar 1525 als Prediger an der Marienkirche angenommen. Am 17. März 1525 gründete er dort einen Ewigen Rat, der die Herrschaft von Patriziern und Adel in der Stadt für immer beenden sollte, und führte die städtische Bauernmiliz zum Aufstand. Am 15. Mai 1525 wurden sie bei Frankenhausen geschlagen; Müntzer wurde am 27. Mai vor der Stadt hingerichtet, die er kurz zuvor noch mitregiert hatte.[1]
Bachs Jahr an der Orgel, 1707–1709
Johann Sebastian Bach war von 1707 bis 1708 Organist an der Divi-Blasii-Kirche. Für die Ratswechsel-Feier im Februar 1708 komponierte er die Kantate Gott ist mein König und entwarf die Disposition für eine umgebaute Orgel, die 1709 eingeweiht wurde — da war er bereits nach Weimar gegangen.
Was die Stadt Gästen bietet
Die Stadtmauer umschließt bis heute große Teile der Altstadt und ist ab dem Inneren Frauentor an ihren Torhäusern entlang begehbar; die Divi-Blasii-Kirche hält Bachs Orgelgeschichte in einer aktiven Kirche lebendig, und die entwidmete Marienkirche bewahrt unter Thüringens zweithöchstem Kirchturm die Erinnerung der Stadt an Müntzer.
Was Besucher fragen
- Wie weit ist Mühlhausen von Weimar entfernt?
- Rund siebenundsechzig Kilometer nordwestlich von Weimar — deutlich nördlicher als Erfurt und Gotha, die fast genau westlich liegen.
- Warum ist Mühlhausen eine freie Reichsstadt?
- König Konrad IV. gewährte der Stadt 1251 Privilegien, und bis 1290 hatte Rudolf von Habsburg ihren Rang als freie Reichsstadt bestätigt — allein der kaiserlichen Autorität unterstellt, keinem Landesfürsten.[1]
- Was tat Thomas Müntzer in Mühlhausen?
- Im Februar 1525 wurde er Prediger an der Marienkirche, gründete dort am 17. März 1525 einen Ewigen Rat, der die Herrschaft von Patriziern und Adel beenden sollte, und führte die städtische Bauernmiliz zum Aufstand. Am 15. Mai wurden sie bei Frankenhausen geschlagen; er wurde am 27. Mai hingerichtet.[1]
- Wo war Bach Organist, bevor er nach Weimar ging?
- An der Divi-Blasii-Kirche in Mühlhausen, von 1707 bis 1708 — sein einziges Jahr hier, bevor er nach Weimar weiterzog.
- Kann man Mühlhausens mittelalterliche Stadtmauer noch sehen?
- Ja: Von den ursprünglich 2,8 Kilometern stehen noch etwa 2,2, und ein 370 Meter langer Abschnitt ist ab dem Inneren Frauentor begehbar.
- Wann wurde Mühlhausen Stadt?
- 1135 erhielt es das Stadtrecht, als erster Ort Thüringens.[1]
Quellen
- Mühlhausen/Thüringen — Wikipedia, abgerufen am 30. August 2026
Auf einen Blick
Höhepunkte & Sehenswertes
Historische Bedeutung
Thüringens erste Stadt mit eigenem Recht, freie Reichsstadt seit dem 13. Jahrhundert und 1525 Sitz von Thomas Müntzers Ewigem Rat im Bauernkrieg.
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Historische Orte
Untermarkt, 99974 Mühlhausen
Die Kirche, an der der junge Bach sein Organistenamt hier ausübte, vor Weimar.
Bei der Marienkirche, 99974 Mühlhausen
Die Kirche, in der Müntzer 1525 kurzzeitig mitregierte, und in der ein Besuch in Mühlhausen dieser Geschichte heute begegnet.
Am Frauentor 13, 99974 Mühlhausen
Die mittelalterliche Mauer, von der ein Besucher noch heute ein Stück begehen kann, ab dem Inneren Frauentor.
Lesenswert
Persönlichkeiten
1749–1832 • Dichter • Staatsmann • Naturforscher
1759–1805 • Dichter • Dramatiker • Historiker
1739–1807 • Herzogin • Regentin • Mäzenin • Komponistin
1883–1969 • Architekt • Gründer und Direktor des Bauhauses • Lehrer
Historische Orte
Frauenplan 1, 99423 Weimar
Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar
Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Buchenwald, 99427 Weimar